Autismus – Was ist das?

Wir behandeln auf dieser Seite das Basis-Wissen zum Autismus – von der Diagnose und Klassifikation bis hin zu den neuesten Forschungserkenntnissen über Ursachen und Therapiemöglichkeiten. Informationen über Symptome, Früherkennung und Behandlung sowie die Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen und ihrer Familien werden detailliert dargestellt, um ein tiefgreifendes Verständnis für Autismus und dessen effektive Unterstützung zu fördern.

Das Autismus-Spektrum-Syndrom (ASS) umfasst eine Reihe von Entwicklungsstörungen, die sich primär durch Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch repetitive Verhaltensmuster auszeichnen. Diese Komplexität wird in der medizinischen Klassifikation deutlich erfasst und unterteilt, wie die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) zeigt.

Im ICD-10 werden verschiedene Formen des Autismus unterschieden, die von frühkindlichem Autismus bis zu spezifischeren Zuständen wie dem Asperger-Syndrom und dem Rett-Syndrom reichen. Diese Einteilungen helfen Fachleuten, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Behandlungsansätze für Betroffene zu verstehen und anzupassen.

Im folgenden werden wir die verschiedenen Kategorien und spezifischen Eigenschaften des Autismus-Spektrums, wie sie im ICD-10 definiert sind, betrachten und die Besonderheiten jeder Störung hervorheben, um ein tiefgehendes Verständnis für dieses umfassende und vielschichtige Spektrum zu entwickeln.

Kapitel 1: Überblick über die Antismus-Spektrum-Störung

Die Welt des Autismus ist vielfältig und oft schwer zu verstehen. Hinter dem Begriff verbergen sich verschiedene Störungsbilder, die eines gemeinsam haben: Sie beeinflussen die Art und Weise, wie Menschen denken, fühlen und mit ihrer Umwelt interagieren. In diesem Kapitel werden wir uns näher mit den unterschiedlichen Formen des Autismus beschäftigen und einen Blick auf die Klassifikation nach ICD-10 werfen.

Wir werden uns mit Begriffen wie Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) auseinandersetzen und verstehen lernen, was sich hinter Bezeichnungen wie Frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom und Atypischer Autismus verbirgt. Dabei werden wir auch auf die charakteristischen Verhaltensweisen eingehen, die oft mit Autismus in Verbindung gebracht werden, wie beispielsweise stereotype Bewegungen oder Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion.

Ein besonderes Augenmerk werden wir auf das Rett-Syndrom legen, eine seltene genetische Störung, die fast ausschließlich Mädchen betrifft. Wir werden die einzigartigen Herausforderungen verstehen, mit denen diese Mädchen konfrontiert sind, und wie sich das Syndrom auf ihre Entwicklung auswirkt.

Klassifikation von Autismus nach ICD-10

In der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) wird Autismus den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet. Dabei werden folgende Unterscheidungen getroffen:

Was versteht man unter Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)?

Der Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) fasst verschiedene Störungsbilder zusammen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch repetitive und stereotype Verhaltensweisen gekennzeichnet sind. Zu den ASS zählen:

Was versteht man eigentlich unter „stereotype Verhaltensweisen“ im Autismus-Kontext?

Der Begriff „Stereotypie“ leitet sich vom griechischen „stereos“ (starr, fest) und „typos“ (Gestalt, Muster) ab. Er bezeichnet ein sich wiederholendes, gleichförmiges Verhalten oder Bewegungsmuster. Im Kontext von Autismus sind Stereotypien repetitive Bewegungen, Lautäußerungen oder Handlungen, die häufig in Stresssituationen oder bei Reizüberflutung auftreten. Sie dienen oft der Selbstregulation und Bewältigung von Umwelteinflüssen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Stereotypien für Menschen mit Autismus eine Funktion erfüllen und nicht einfach eine „Angewohnheit“ sind.

Die Besonderheiten des Rett-Syndroms

Das Rett-Syndrom tritt fast ausschließlich bei Mädchen auf und ist durch eine zunächst normale Entwicklung gekennzeichnet, gefolgt von einem Verlust bereits erworbener Fähigkeiten. Charakteristisch sind:

Das Rett-Syndrom wird durch Mutationen im MECP2-Gen verursacht, das auf dem X-Chromosom liegt. Das MECP2-Gen kodiert für ein Protein, das an der Regulierung der Genexpression beteiligt ist. Da Mädchen zwei X-Chromosomen haben, sind sie häufiger von der Erkrankung betroffen als Jungen, die nur ein X-Chromosom besitzen. Bei betroffenen Jungen führt die Mutation oft zu schwerwiegenderen Symptomen und einer höheren Sterblichkeit.

Kapitel 2: Hauptmerkmale der Autismus-Spektrum-Störung

Autismus-Spektrum-Störungen zeigen sich in verschiedenen Bereichen, wobei die Merkmale individuell unterschiedlich ausgeprägt sein können. Besonders deutlich treten die Symptome in den Bereichen soziale Interaktion, Kommunikation und Verhaltensweisen hervor.

Autistische Personen haben oft Schwierigkeiten, die Gefühle, Gedanken und Vorstellungen anderer zu verstehen und darauf angemessen zu reagieren. Dies kann sich beispielsweise darin äußern, dass sie Mimik, Gestik und Tonfall anderer nicht richtig deuten können, Schwierigkeiten haben, Empathie zu zeigen und sich in andere hineinzuversetzen oder indirekte Aussagen, Ironie oder Sarkasmus oft wörtlich nehmen und missverstehen.

Weiterhin lassen sich Besonderheiten in der Sprachentwicklung und Kommunikation, stereotypischen Verhaltensweisen und Ritualen sowie besonderen Interessen und Begabungen beobachten. Diese können sich wie folgt äußern:

Besonderheiten in Sprachentwicklung und Kommunikation

Viele autistische Kinder zeigen Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung und Kommunikation, wie zum Beispiel:

Stereotype Verhaltensweisen, Rituale und besondere Interessen

Autistische Patienten zeigen häufig repetitive und stereotype Verhaltensweisen, Rituale und eingeschränkte, intensive Interessen, wie beispielsweise:

Zusätzliche Auffälligkeiten und Begabungen

Neben den Kernsymptomen können bei autistischen Personen auch weitere Auffälligkeiten, aber auch besondere Begabungen auftreten, wie zum Beispiel:

Kapitel 3: Biologische und genetische Faktoren bei Autismus

In diesem Kapitel werden wir uns mit den biologischen, genetischen und Umweltfaktoren beschäftigen, die bei der Entstehung von Autismus eine Rolle spielen können. Wir werden sehen, dass sowohl Veränderungen in der Hirnentwicklung und -funktion als auch genetische Einflüsse und Umweltfaktoren das Risiko für Autismus beeinflussen können.

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Autismus sind noch nicht vollständig geklärt. Allerdings geht man davon aus, dass sowohl biologische, genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen können.

Studien haben gezeigt, dass bei Autismus bestimmte Bereiche des Gehirns anders entwickelt sind oder anders funktionieren. Dies deutet darauf hin, dass biologische Faktoren bei der Entstehung beteiligt sind. Ebenso scheinen Gene einen Einfluss zu haben, da Autismus in manchen Familien gehäuft auftritt. Allerdings konnte bisher kein einzelnes „Autismus-Gen“ identifiziert werden. Vielmehr geht man von einem komplexen Zusammenspiel mehrerer Gene aus.

Auch bestimmte Umwelteinflüsse stehen im Verdacht, das Autismus-Risiko zu erhöhen, wie etwa Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt, hohes Alter der Eltern oder Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft. Ihr Einfluss ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Gibt es ein vollständiges Erklärungsmodell?

Nein, trotz intensiver Forschung gibt es bisher kein Modell, das die Entstehung von Autismus vollständig erklären kann. Die bisherigen Ergebnisse deuten auf ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren hin:

Insgesamt ist weitere Forschung nötig, um die komplexen Zusammenhänge bei der Entstehung von Autismus besser zu verstehen und letztendlich ein umfassendes Erklärungsmodell entwickeln zu können.

Risikofaktoren für eine Autismus-Spektrum-Störung

Auch wenn die Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind, konnten einige Faktoren identifiziert werden, die das Risiko für Autismus erhöhen können:

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass das Vorhandensein eines oder mehrerer Risikofaktoren nicht zwangsläufig bedeutet, dass ein Kind Autismus entwickelt. Viele Kinder mit diesen Risikofaktoren sind nicht betroffen. Umgekehrt kann Autismus auch auftreten, wenn keine bekannten Risikofaktoren vorliegen.

Kapitel 4: Diagnostik und Früherkennung von Autismus

Die Diagnose von Autismus bei Kindern ist ein Thema, das viele Eltern und Fachleute gleichermaßen beschäftigt. Oft stellen sich besorgte Eltern die Frage: „Könnte mein Kind Autismus haben?“ Wenn Auffälligkeiten in der Entwicklung oder im Verhalten eines Kindes beobachtet werden, ist es wichtig, frühzeitig Klarheit zu schaffen. Doch wie genau läuft eine Autismus-Diagnostik ab? Welche Schritte und Untersuchungen sind notwendig, um eine zuverlässige Diagnose zu stellen?

In diesem Kapitel werden wir uns eingehend mit dem diagnostischen Prozess bei Verdacht auf Autismus beschäftigen. Wir beleuchten die verschiedenen Bausteine einer umfassenden Diagnostik, von der ausführlichen Anamnese über die Verhaltensbeobachtung bis hin zu standardisierten Tests und medizinischen Untersuchungen. Dabei werden wir auch auf die Bedeutung einer frühen Erkennung eingehen und die Rolle der regulären U-Untersuchungen beim Kinderarzt diskutieren.

Darüber hinaus werden wir uns mit den Vorteilen einer frühzeitigen Diagnose auseinandersetzen. Eine frühe Diagnose eröffnet den Zugang zu gezielter Förderung und Therapie, schafft Verständnis und Akzeptanz im Umfeld des Kindes und ermöglicht notwendige Anpassungen in Kita, Schule und zu Hause. Nicht zuletzt werden wir auch auf zusätzliche Informationsquellen eingehen, die für eine ganzheitliche Bewertung im Rahmen der Diagnostik von Bedeutung sind.

Schritte und Untersuchungen bei der Autismus-Diagnostik

Die Diagnostik bei Verdacht auf Autismus ist ein mehrstufiger Prozess, der verschiedene Untersuchungen und Bewertungen umfasst. Zu den wichtigsten Schritten gehören:

Früherkennung von Autismus und die Rolle der U-Untersuchungen

Autismustypische Anzeichen können oft schon früh in der Entwicklung eines Kindes beobachtet werden. Einige mögliche Hinweise sind:

Die regulären U-Untersuchungen beim Kinderarzt spielen eine wichtige Rolle bei der Früherkennung von Entwicklungsauffälligkeiten, einschließlich Anzeichen für Autismus. Bei diesen Vorsorgeuntersuchungen wird die altersgerechte Entwicklung des Kindes in verschiedenen Bereichen wie Motorik, Sprache und soziale Interaktion überprüft. Auffälligkeiten können so frühzeitig erkannt und eine weiterführende Diagnostik eingeleitet werden.

Bedeutung einer frühen Diagnose

Eine frühe Diagnose von Autismus ist aus mehreren Gründen von großer Bedeutung:

  1. Zugang zu Förderung und Therapien: Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto schneller kann eine gezielte Förderung und Therapie beginnen. Frühförderung, verhaltenstherapeutische Ansätze und speziell auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmte Interventionen können die Entwicklung positiv beeinflussen und die Integration in Schule und Gesellschaft erleichtern.
  2. Verständnis und Akzeptanz: Eine Diagnose hilft Eltern und Bezugspersonen, das Verhalten und die Besonderheiten des Kindes besser zu verstehen. Dies fördert Akzeptanz, Geduld und einen angemessenen Umgang mit den Herausforderungen im Alltag.
  3. Anpassung des Umfeldes: Mit einer Diagnose können notwendige Anpassungen in Kita, Schule oder häuslichem Umfeld vorgenommen werden, um dem Kind bestmögliche Entwicklungschancen und Teilhabe zu ermöglichen.

Zusätzliche Informationsquellen für eine umfassende Diagnostik

Neben den standardisierten Untersuchungen und Tests sind weitere Informationsquellen für eine ganzheitliche Bewertung wichtig:

Eine sorgfältige Diagnostik unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen bildet die Grundlage für eine passende Förderung und Begleitung von Kindern mit Autismus und ihren Familien.

Kapitel 5: Behandlung und Therapie von Autismus

Autismus ist eine komplexe Entwicklungsstörung, die sich auf vielfältige Weise äußern kann und jeden Betroffenen vor individuelle Herausforderungen stellt. Umso wichtiger ist es, durch eine gezielte Behandlung Unterstützung und Förderung anzubieten, um die Lebensqualität von Menschen mit Autismus und ihren Familien zu verbessern. Doch wie sieht eine solche Behandlung aus? Welche Ziele werden verfolgt und welche Grundsätze sind dabei zu beachten? In diesem Kapitel wollen wir uns eingehend mit den verschiedenen Aspekten der Autismus-Behandlung beschäftigen.

Zunächst werden wir die übergeordneten Ziele und Grundsätze der Behandlung näher beleuchten. Dabei geht es vor allem darum, die sozialen Fähigkeiten und die Alltagskompetenzen der Betroffenen zu stärken, herausforderndes Verhalten zu reduzieren und individuelle Stärken zu fördern. Ein ganzheitlicher, auf den Einzelnen abgestimmter Ansatz ist hier von zentraler Bedeutung.

Im weiteren Verlauf werden wir uns mit den konkreten Behandlungsoptionen auseinandersetzen. Dazu gehören verhaltensorientierte Maßnahmen wie ABA oder TEACCH, aber auch Therapiebausteine aus anderen Bereichen und in manchen Fällen der Einsatz von Medikamenten. Auch die Gestaltung pädagogischer und therapeutischer Ansätze, die auf Struktur, Vorhersehbarkeit und Kommunikationsförderung setzen, wird thematisiert.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bedeutung der Frühbehandlung und den möglichen Fortschritten, die durch eine konsequente Therapie erzielt werden können. Studien belegen eindrucksvoll, welch positive Auswirkungen eine zeitnahe und intensive Förderung auf die Entwicklung von Kindern mit Autismus haben kann.

Gleichzeitig ist es wichtig, die Grenzen der Behandlung realistisch einzuschätzen und sich bewusst zu machen, dass Autismus eine tiefgreifende Störung ist, die nicht „geheilt“ werden kann. Umso wichtiger ist es, durch eine individuell angepasste Behandlung die bestmögliche Unterstützung und Förderung anzubieten – und damit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Ziele und Grundsätze der Behandlung von Autismus

Die Behandlung von Autismus zielt darauf ab, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern. Dabei stehen folgende Ziele im Vordergrund:

Grundsätzlich gilt, dass jede Behandlung individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Betroffenen abgestimmt werden muss. Ein ganzheitlicher Ansatz, der verschiedene Therapiebausteine kombiniert, hat sich dabei als besonders wirksam erwiesen.

Verhaltensorientierte Maßnahmen, Therapiebausteine und Medikamente

Zu den verhaltensorientierten Maßnahmen, die bei der Behandlung von Autismus zum Einsatz kommen, gehören:

Neben den verhaltensorientierten Maßnahmen können auch andere Therapiebausteine wie Ergotherapie, Logopädie oder Physiotherapie sinnvoll sein, um spezifische Defizite zu behandeln und die Entwicklung zu fördern.

In manchen Fällen können auch Medikamente zum Einsatz kommen, um begleitende Symptome wie Unruhe, Aggressivität oder Depressionen zu lindern. Eine medikamentöse Behandlung sollte jedoch immer in Absprache mit einem erfahrenen Arzt erfolgen und engmaschig überwacht werden.

Pädagogische und therapeutische Ansätze

Bei der Gestaltung pädagogischer und therapeutischer Ansätze für Menschen mit Autismus ist es wichtig, eine Umgebung zu schaffen, die Struktur, Vorhersehbarkeit und klare Regeln bietet. Visuelle Hilfen wie Piktogramme oder Tagespläne können dabei helfen, Abläufe und Erwartungen zu verdeutlichen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung der Kommunikation, sei es durch den Einsatz von Bildkarten, technischen Hilfsmitteln oder die Vermittlung von Strategien zur nonverbalen Verständigung. Auch die Einbindung von Spezialinteressen kann motivierend wirken und die Lernbereitschaft erhöhen.

Nicht zuletzt spielt die Zusammenarbeit mit den Eltern und anderen Bezugspersonen eine zentrale Rolle. Durch Schulungen und Anleitungen sollen sie befähigt werden, die Entwicklung ihres Kindes bestmöglich zu unterstützen und den Alltag autismusfreundlich zu gestalten.

Behandlungsoptionen und Wahl der Therapie

Welche Behandlungsoptionen im Einzelfall am besten geeignet sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Eine sorgfältige Diagnostik und eine enge Abstimmung zwischen Ärzten, Therapeuten, Pädagogen und Eltern sind daher unerlässlich, um einen individuell zugeschnittenen Behandlungsplan zu entwickeln. Dabei sollten die Wünsche und Bedürfnisse des Betroffenen stets im Mittelpunkt stehen.

Bedeutung der Frühbehandlung und mögliche Fortschritte

Eine frühe Diagnose und ein zeitnaher Behandlungsbeginn können entscheidend dazu beitragen, die Entwicklung von Kindern mit Autismus positiv zu beeinflussen. Je früher eine gezielte Förderung einsetzt, desto besser können Defizite ausgeglichen und Potenziale entfaltet werden.

Studien belegen, dass eine intensive Frühintervention die kognitiven Fähigkeiten, die Sprachentwicklung und die sozialen Kompetenzen von autistischen Kindern deutlich verbessern kann. Auch im weiteren Verlauf sind durch konsequente Therapie und Unterstützung oft bemerkenswerte Fortschritte möglich.

Dennoch ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben: Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die nicht „geheilt“ werden kann. Ziel der Behandlung ist es, die individuellen Fähigkeiten bestmöglich zu fördern und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen – und damit die Lebensqualität für Betroffene und Angehörige nachhaltig zu verbessern.

Kapitel 6: Prognose und Verlauf von Autismus

In diesem Kapitel werden wir uns eingehend mit diesen Fragen beschäftigen und einen Überblick über die verschiedenen Ansätze und Möglichkeiten geben, die Menschen mit Autismus helfen können, besser mit den Herausforderungen umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Dabei werden wir auch beleuchten, wie sich die Symptome im Laufe des Lebens verändern können und welche Formen der Unterstützung in den verschiedenen Lebensphasen wichtig sind.

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich bereits im frühen Kindesalter manifestiert und lebenslang bestehen bleibt. Dennoch gibt es verschiedene Therapieansätze und Unterstützungsmöglichkeiten, die sowohl Betroffenen als auch deren Angehörigen helfen können, besser mit den Herausforderungen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Heilbarkeit und Therapiemöglichkeiten

Autismus ist keine Krankheit im klassischen Sinne, sondern eine neurologische Entwicklungsstörung, die nicht geheilt werden kann. Dennoch können einzelne Symptome durch gezielte Therapien und Fördermaßnahmen positiv beeinflusst werden. Hierzu zählen beispielsweise:

Veränderung der Symptome im Laufe des Lebens

Die Ausprägung und Intensität der autistischen Symptome kann sich im Laufe des Lebens verändern. Während einige Merkmale mit zunehmendem Alter weniger stark ausgeprägt sein können, können andere hingegen persistieren oder sich sogar verstärken.

Studien zeigen, dass sich insbesondere die sozialen Fähigkeiten und die Kommunikation im Erwachsenenalter oft verbessern. Viele Autisten lernen im Laufe der Zeit, besser mit sozialen Situationen umzugehen und ihre Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken. Auch stereotypes Verhalten und Spezialinteressen können mit zunehmendem Alter in den Hintergrund treten.

Dennoch bleiben die Kernmerkmale des Autismus, wie Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie eingeschränkte, repetitive Verhaltensmuster, häufig lebenslang bestehen. Auch komorbide Störungen wie Angststörungen oder Depressionen können im Erwachsenenalter vermehrt auftreten und zusätzliche Herausforderungen darstellen (mehr hierzu auf unserer Seite zu „Autismus bei Erwachsenen„).

Langfristige Unterstützung und Begleitung

Menschen mit Autismus benötigen oftmals lebenslange Unterstützung und Begleitung, um ein möglichst selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen zu können. Hierbei spielen verschiedene Faktoren eine wichtige Rolle:

Insgesamt ist es wichtig, Menschen mit Autismus in allen Lebensphasen mit Wertschätzung, Verständnis und individuell angepasster Unterstützung zu begegnen, um ihnen ein möglichst selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu ermöglichen.

Kapitel 7: Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Eine psychische Erkrankung stellt für Betroffene und deren Angehörige oft eine große Herausforderung dar. Umso wichtiger ist es, dass es verschiedene Anlaufstellen und Unterstützungsmöglichkeiten gibt, an die man sich in einer solchen Situation wenden kann. Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über hilfreiche Angebote und Informationen.

Wenn Sie die Vermutung haben, dass Sie selbst oder ein Angehöriger von Autismus betroffen sein könnten, ist es wichtig, dass Sie sich bestmöglich vorbereiten und wissen, an wen Sie sich wenden können. Hier ist ein kurzer Schritte-Plan:

  1. Informieren Sie sich gründlich über Autismus, um ein besseres Verständnis für die Erkrankung zu entwickeln. Nutzen Sie dazu seriöse Quellen wie Fachbücher, Webseiten von Fachverbänden oder Selbsthilfeorganisationen.
  2. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie über Ihre Beobachtungen und Bedenken. Schildern Sie die Symptome, die Ihnen aufgefallen sind, möglichst genau.
  3. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt an einen Spezialisten für Autismus-Spektrum-Störungen überweisen. Dieser kann eine fundierte Diagnose stellen und die passende Behandlung einleiten.
  4. Suchen Sie sich Unterstützung, sei es durch Freunde, Familie oder Selbsthilfegruppen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr entlastend sein und Ihnen wertvolle Tipps für den Umgang mit der Erkrankung geben.
  5. Haben Sie Geduld mit sich selbst und Ihrem Angehörigen. Eine Autismus-Spektrum-Störung ist eine komplexe Erkrankung, und es braucht Zeit, bis Therapien und Unterstützungsmaßnahmen greifen.

Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige

Es gibt eine Vielzahl an Anlaufstellen, die Hilfe und Unterstützung für psychisch Erkrankte und deren Angehörige bieten:

Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche

Wenn Eltern fachkundige Hilfe für ihr psychisch erkranktes Kind benötigen, können sie sich an folgende Stellen wenden: